Auf und ab – Gentoo Installation auf Dell Laptop

25 Juli 2003 von andreas Kommentieren »

[Bild: Kompilierung]

Vor gut 1 1/2 Wochen habe ich begonnen, auf meinem alten Laptop Gentoo-Linux zu installieren. Nun ist es an der Zeit darüber zu berichten.

Voraussetzungen

Lange Zeit war ich auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung für mein altes Inspiron 5000 Notebook. Zeitweise diente es mir als Windows 98 Spielstation für alte Spiele (z.B. Airline Tycoon), zudem parallel als Desktop-Linux System auf Debian Basis. Letzteres war an sich eine feine Sache, aber da ich mich bei den apt-sourcen nicht an eine strikte Linie gehalten habe, gab es bei Versuchen weitere Pakete einzubinden des öfteren Abhängigkeitsprobleme. Der Fall war klar, ein aktuelles Linux System musste her, auf dem ein aktuelles KDE, Mozilla 1.4 läuft und auf dem man auch aktuelle Linux Software ohne Probleme ausprobieren kann. Auf der Hardwareseite sollten natürlich auch keine Abstriche gemacht werden müssen. Das heisst bei mir im Klartext, neben WLAN und 100Mbit Ethernet Karte muss natürlich auch gewährleistet sein, dass neben Soundkarte auch die Notebook Sondertasten zum Einstellen der Lautstärke, Helligkeit etc. funktionieren. Nach Ralles positiven Bericht war die Entscheidung gefallen, Gentoo wird ausprobiert! Vorbereitet durch den Bericht war mir klar, in 5 Minuten ist das nicht erledigt. Erst recht nicht auf meinem schon 3 Jahre alten System.

Der Rechner

Bei dem Dell Inspiron 5000 Notebook handelt es sich wie gesagt um ein 3 Jahre altes System.

Das es nicht mehr ganz taufrisch ist, sieht man an den technischen Daten:

  • Intel Mobile Pentium III 500 Mhz
  • Intel BX-Chipsatz
  • 320 MB Ram
  • ATI Rage Mobility 8MB Grafikkarte
  • 15″ TFT Bidlschirm 1400×1050
  • 12 GB Festplatte + DVD Laufwerk

Wer mit dem Gedanken spielt auch mal Gentoo Linux auszuprobieren, kann sich an diesen Daten orientieren. Ab und zu werde ich ein paar Zeiten nennen, wie lange die Kompilierung auf meinem System gedauert hat.

ISO-Image

Wie Ralle greife ich für die Erstinstallation auf das Stage-3-ISO-Image zurück. Alternativ kann man auch ein Stage-1 oder Stage-2-Image verwenden, dann ist aber der Kompilieraufwand noch ein wenig größer. Das ca. 219MB große Image ist zügig heruntergeladen und ebenso schnell auf eine CD-RW gebrannt. Die Installation kann beginnen.

Erstes Booten von CD

Parallel zur Installation empfielt es sich das Gentoo Handbuch auf einem anderen Rechner parat zu haben. Darin wird die Installationsroutine ausführlich beschrieben und man erhält zusätzliche Informationen und Tipps.

Während dem Booten von CD hat man die Möglichkeit Kernel Parameter zu übergeben. Ich nutze diese auch um die Parameter dopcmcia, dokeymap und nodhcp zu übergeben. Dopcmcia aktiviert den PCMCIA Support, durch dokeymap besteht die Möglichkeit ein anderes Keyboardlayout zu wählen und nodhcp unterbindet die Suche nach einem DHCP-Server. Da meine D-Link DWL-650 WLAN Karte bei der Hardwareerkennung durchfällt, greife ich auf meine aus dem gleichen Haus stammende DFE-650 100Mbit Netzwerkkarte zurück. Diese wird ebenso erkannt, wie der Maestro 2E Soundchip. Am Ende des Bootvorganges landet man schließlich auf der Console.

Basis-System einrichten

Bevor das Basis-System installiert wird gilt es die Netzwerkkonfiguration zu vervollständigen. Da ich keinen DHCP-Server einsetze muss ich die entsprechenden Einstellungen manuell vornehmen. Das geht ganz einfach mit dem Befehl net-setup eth0. Ein im Anschluss ausgeführter Ping-Test bestätigt die Funktion der Netzwerkkarte.

Im nächsten Schritt geht es an die Aufteilung der Festplatte und das Einrichten der erforderlichen Partitionen. Bereits zuvor habe ich eine Hibernation-Partition angelegt, sowie eine Windows Parallel-Installation durchgeführt. Mit cfdisk richte ich eine Boot (30MB), Swap (320MB) und Systempartition (8GB) sowie jeweils ein Dateisystem ein. (ext2 für Boot und ext3 für die Systempartition).

In der neu angelegten Systempartition wird nun der Tarball entpackt. Nach starten einer Chroot-Umgebung ist der erste Schritt, vorhandene Updates einzuspielen. An dieser Stelle merke ich zum ersten Mal, was ich meinem Notebook da angetan habe. Der Lüfter springt nach kurzer Zeit an. ;-) Da abzusehen ist, dass die ganze Sache einige Zeit dauert, lass ich das Notebook vor sich hinwerkeln. Irgendwann schaltet sich der Bildschirm aus, ich denke mir nichts böses, ich kenne dieses Verhalten ja von Debian und Knoppix. Etwas später will ich mich ein Bild vom Fortschritt der Installation machen. Doch das Drücken der Alt-Taste bewirkt keine Reaktion. Ich drücke weitere Tasten, doch nichts passiert. Ich kann es drehen wie ich will, der Bildschirm kommt nicht wieder. Da so kein weiterarbeiten möglich ist, bleibt mir nicht anderes übrig, als zu rebooten. So bitter es auch ist. Irgendwie scheint das Live-Linux das von der CD gebootet wird nicht hunderprozentig mit meinem Notebook klar zu kommen. Beim nächsten Versuch verhindere ich durch regelmässiges Tastendrücken das Ausschalten des Bildschirmes. Mühsam, aber schließlich erfolgreich.

Nach der Updaterei mache ich mich an das Herzstück des Ganzen, dem Kernel. Es stehen mehrere Kernel zur Auswahl. Zum einen ein Gentoo Kernel, der auf Geschwindigkeit getrimmt ist, die Vanilla-Sourcen, also dem Original-Kernel und einige mehr. Ich entscheide mich für die Vanilla-Sourcen. Beim Entpacken erlebe ich aber eine böse Überraschung. Sed kann nicht gefunden werden. Ohne sed, kein Entpacken. Ohne Entpacken, keine Kernelkompilierung. Kein Problem, dann nehme ich halt die Gentoo Sourcen, vielleicht klappt es mit denen. Nach dem verhältnismäßig langem Download, die Sourcen kommen nur mit ca. 25kb/s :-( , habe ich auch mit den Gentoo Sourcen Probleme. Diesmal liegt es aber nicht an sed, denn soweit bin ich noch gar nicht, sondern an der Datei patches-.tar.bz2. Wie es scheint, ist diese Datei auf keinem Server vorhanden. Die Installation der Gentoo Kernel Sourcen wird abgebrochen. Na toll! Okay, dann mache ich es auf dem herkömmlichen Weg und ziehe mir die Sourcen direkt von ftp.kernel.org. Dort kommen sie wenigstens mit einer anständigen Geschwindigkeit von 80-90kb/s an und auch das Entpacken klappt einwandfrei. Aber ich Depp! Beim Starten von menuconfig merke ich, dass dafür auch sed notwendig ist. Hätte ich auch früher dran denken können. Naja.

Also, nochmal von vorne. Natürlich nicht ganz von vorne. Ich vermute, dass beim Updaten des Systems irgendetwas schiefgegangen ist, so dass im Anschluss sed nicht mehr zur Verfügung stand. Also beginne ich nochmal beim Entpacken des Tarballs. Nach dem erneuten Updaten prüfe ich ob sed noch funktioniert. Siehe da, es geht! Kurze Zeit später bin ich auch schon an der Kernelkonfiguration der Vanilla-Sourcen mit menuconfig. Im Vergleich zu der Updaterei zuvor ist die Kernel-Kompilierung im Anschluss dann schnell erledigt. Jetzt nur noch Lilo einrichten und überraschen lassen.

Yippie, es läuft! Zwar funktioniert die Ethernetkarte nicht und auch sonst wird einiges angemahnt, unter anderem der fehlende devfs Support, aber das System kommt hoch! Bis alles perfekt ist backe ich noch zwei weitere Kernels, füge mit rc-update add pcmcia das PCMCIA-Modul dem “Autostart” hinzu und erweitere die modules.autoload mit den entsprechenden Modulen für meine Netzwerkkarten. Die 100 Mbit Karte funktioniert nun einwandfrei, bei der WLAN Karte muss ich den Verschlüsselungskey noch manuell mit iwconfig übergeben. Durch anpassen der Datei /etc/pcmcia/wireless.opts erreiche ich schliesslich, dass auch die WLAN Karte auf Anhieb funktioniert. Die beiden Karten lassen sich nun beliebig austauschen und meiner Flexibilität sind somit keine Grenzen gesetzt. Bevor ich mich an die Installation von xfree und KDE mache, installiere ich noch vi, lynx und was ich auf der Console sonst noch brauche.

xfree Instalaltion

Sehr spannend ist dieser Abschnitt nicht, es passiert recht wenig. ;-) Aber interessant ist, wie lange die Kompilierung dauert. Ein time emerge xfree gibt Aufschluss: 230m 59.620s.

KDE Installation

Die Installation von KDE ist schnell gestartet, mit emerge kde, aber keinesfalls schnell beendet. Zwischendrin habe ich Erbarmen mit meinem Notebook, dass mit regelmäßigem Aufdrehen des Kühlers um Hilfe ruft. Ich spendiere ihm eine Extrakühlung. Der interne Kühler bleibt daraufhin ruhig.

Ürbigens, emerge nimmt es nicht übel, wenn man zwischendurch den Rechner mal rebootet und im Anschluss weitermacht. (Ich sage nur: Monitor-Problem :-( )

Nach 2 1/2 Tagen ist es soweit, ich starte KDE zum ersten Mal! Die XF86Config Datei stammt von Knoppix Linux. Der letzte Schritt bei der Installation von KDE ist die Einrichtung des Login Managers, der mich von da an nach dem Booten begrüßt.

Mozilla Installation

Die Mozilla Installation ist genauso unspektakulär wie die von xfree, sie dauert auch annähernd gleich lange. Nach der Installation lässt sich Mozilla über die Konsole starten, im KDE Menü taucht Mozilla aber ebensowenig auf, wie zum Beispiel das bereits bei der KDE Installation eingespielte xmms. Mit dem Programm KAppfinder lässt sich das aber leicht abstellen.

Fazit

Auch wenn es ein harter Weg bis zum fertigen System und vor allem ein extrem langer Weg ist, es hat sich gelohnt. Das System bootet flott, arbeitet flott und ich bin in den Genuss eines aktuellen KDE und Mozilla gekommen. Zudem wurde meine Bastelfantasie angeregt. ;-)

Einige Probleme gibt es aber dennoch. Trotz Aktivierung des Dell Laptop Supports im Kernel funktioniert die Tastenkombination für den Suspend-Modus noch nicht. Das ist aber wohl eine Konfigurationssache, wie auch beim zweiten Problem, mit dem ich mich immer noch rumärgere, dem Abschalten des Monitores.

Wer jetzt auch Lust bekommen hat Gentoo Linux zu installieren, der sollte vor allem zwei Dinge mitbringen: Zeit und Geduld! ;-)


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