Vor etwa einem Monat gab ich der Plastikflasche ein Chance und tauschte meine bis dahin zur Arbeit mitgenommene gläserne Wasserflasche durch sie aus. Damals sah ich gegenüber der Glasflasche die Vorteile der Plastikflasche vor allem in einer höheren Unfallsicherheit, geringerem Gewicht und höherem Fassungsvermögen. Gegenüber herkömmlichen Wasserflaschen haben die Plastikflaschen in der Regel 1/3 mehr Inhalt. Also an sich alles super? Mitnichten. In meinen Augen dürfte das Wasser gar nicht als Wasser mit Kohlensäure verkauft werden, sondern als “Wasser mit Kohlensäure, welche sich beim ersten Öffnen aus dem Staub macht und das Wasser alleine zurück lässt”. Nimmt man in regelmäßigen Abständen über zirka vier Stunden jeweils in kleinen Schlücken Flüssigkeit zu sich, so ist die Flasche vom Füllstand her halb und vom Kohlesäuregehalt komplett leer. In diesem Stadium kann nicht mehr von Wasser mit Kohlesäure geredet werden. Stilles Wasser trifft es eher. Das bekomme ich auch billig aus dem Wasserhahn, dafür brauche ich nicht gutes Geld zu bezahlen. Eine Glasflasche weist nach Unterziehen der gleichen Prozedur einen noch deutlich höheren Kohlesäuregehalt auf. Während ich mir deswegen Gedanken mache, nach zur Neige gehen des Wasservorrats in Plastikflaschen wieder auf gläserne Wasserflaschen umzuschwenken, wollte ich natürlich auch wissen, woran das liegt, dass die Kohlesäure in Plastikflaschen schneller verschwindet, als in Glasflaschen. Nachgefragt bei Selters, bekam ich folgende Antwort auf dem Postweg:
Guten Tag, sehr geehrter Herr Haible,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 15. Januar 2004.
Mit SELTERS in PET haben wir, dem Trend und der gestiegenen Nachfrage der Verbraucher folgend, ein bruchsicheres, leichtes, verbraucherfreundliches Gebinde auf den Markt gebracht.
Der Kohlensäuregehalt liegt bei Abfüllung ebenso wie bei SELTERS-Mineralwasser in Glasflaschen bei 7-8 g/l.
Als Anbieter von Premium-Mineralwasser setzen wir bei den neuen PET-Flaschen hochwertige Ausstattungsmaterialien (PET-Material, Verschluss) ein. Dennoch ist bei PET-Flaschen (hier sind Mineralwasser und Süßgetränke aller Marken betroffen) tatsächlich ein Entwichen von CO2 aufgrund der im Vergleich zu Glas geringeren Dichte des Materials grundsätzlich eher gegeben. Ist die Flasche einmal geöffnet und teilweise geleert, entbindet sich die Kohlensäure in PET-Flaschen stärker und entweicht beim erneuten Öffnen dementsprechend schneller als bei Glasflaschen.
Ungünstige Lagerung – z.B. im Markt oder beim Transport – oder extreme Temperaturschwankungen können außerdem die CO2-Verminderung verstärken.
Um dem entgegenzuwirken zu könnnen, wird industrieseitig nach Verbesserungen von Material und Verschlüssen geforscht. Die weitere Entwicklung auf diesem Gebiet werden wir gezielt verfolgen und neue Einsatzvarianten prüfen.
Im Frühjahr diesen Jahres werden wir Selters in 12 x 0,5l PET MW auf den Markt bringen. Das könnte für sie eine Alternative zur 1,0l-Flasche sein.
Wir werden weiterhin alles technisch mögliche tun, um eine einwandfreie Ware sicherzustellen und würden uns freuen, wenn Sie auch in Zukunft, auf gute Qualität vertrauen, SELTERS den Vorzug geben.
Mit freundlichen Grüßen
Selters Mineralquelle (persönlich unterschrieben!)
Danke an dieser Stelle an Selters für die ausführliche Schilderung und die, wenn man den Postweg und das dazwischenliegende Wochenende bedenkt, schnelle Antwort. Tja, und nun sind wir alle wieder ein bisschen schlauer!
Wow. Ab sofort kauf ich nur noch Selters. Wer schon so schöne Briefe schreibt…
Mal ernsthaft: ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es in D. noch solche Firmen gibt. Andererseits hätte ich auch nie so einen Brief geschrieben
also ich merk ja auch dass bei den HASSIA pet nach ner zeit die luft raus ist, aber wenn ich unten angekommen bin, reicht das noch lange aus…find ICH jedenfalls…
jetzt aber gleich leitungswasser dem kohlensäurelosen mineralwasser vorzuziehen halte ich für frevel! das schmeckt schon anders und voll eklig!
Der Geschmack vom Leitungswasser ist regional auch sehr unterschiedlich. Wobei ich mal gehört habe, dass es so ziemlich überall trinkbar sein soll, selbst wenn die Farbe ungewöhnlich ist.
Ich trinke allerdings nur stilles Wasser aus Platikflaschen von Lidl… Das schmeckt ganz ok, wenn man es nicht tagelang geöffnet rumstehen lässt.
@benni: Och, die Firmen sind ja schon recht mitteilsam. Da gibt`s sogar ein unterhaltsames Buch drüber: Sehr geehrter Herr Maggi. Aber ich war auch angenehm überrascht, weil ich eigentlich auch “nur” (soll nicht abwertend sein) eine E-Mail Antwort erwartet habe. Dort hätte man natürlich nicht den Produktkatalog beilegen können.. obwohl, PDF. Aber, in echt wirkt er besser. Nett gemacht, da haben sich die Damen und Herren Designer was einfallen lassen. Man sieht ihn im Bild im Hintergrund…
@Alex: Also, ich konnte bei keiner Wasser-PET Flasche bislang zufriedenstellende Kohlensäureversorgung feststellen. Dafür hält Bizzl länger… Wir haben astreines, weiches, nicht nach Chlor riechendes Taunuswasser, dazu noch absolut kalkarm. Es schmeckt schon, aber, ist klar, von alleine prickelts nicht.
@sebid: Jo, Trinkwasserqualität heißts ja auch immer!
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