Mal schauen, wie sich die eigenen Finanzen so entwickeln und zugleich ein wenig üben in Sachen Buchhaltung, das war meine Intension, als ich vor einiger Zeit angefangen habe, mich genauer mit GnuCash (unter Ubuntu-Linux) zu beschäftigen. GnuCash ist, wie schon mal kurz angesprochen, eine Open Source Finanzsoftware.
Leider ist die damit noch etwas unausgegoren, was aber hier nicht so verstanden soll, dass Open Source Software generell unausgegoren ist. Zwar ist GnuCash auf der einen Seite sehr komfortabel zu bedienen, die Software merkt sich zum Beispiel Buchungstexte, auf der anderen Seite ist das Buchen von gesplitteten Buchungen jedes Mal ein Kreuz, weil die Software nicht so recht mitspielt. Ferner spielen die Menüeinträge zum Teil mit einem Katz und Maus, weil sie gerne Mal verschwinden und so steht die Gewinn- und Verlustrechnung beispielsweise kurzfristig nicht zur Verfügung, weil sie im entsprechenden Menü gerade nicht auftaucht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Löschen von Buchungen nur halbherzig funktioniert. Ich musste schon einzelne Bestandteile eines Buchungssatzes einzelnd löschen, damit alles wieder ausgeglichen war. Bei meiner beschaulichen Buchhaltung kein Problem, ich wusste noch aus dem Kopf, was ich gebucht hatte, aber sobald zig Buchungen pro Tag anfallen wird das schon schwieriger. Mal davon abgesehen, dass das Löschen von Buchungen im Widerspruch mit §239 HGB Führung der Handelsbücher steht und es allgemein keinen guten Eindruck hinterlässt, wenn eine Aktion einer Software keine widerspruchsfreien Daten hinterlässt. Gefallen hat mir dagegen die schnelle und unkomplizierte Arbeit mit den Konten. Neue Konten können schnell angelegt und Konten allgemein schnell verschoben oder editiert werden, was die Konteneigenschaften angeht. So ist es zum Beispiel mit ein paar Klicken möglich bei Hinzukommen eines zweiten Girokontos ein Hauptkonto Girokonten anzulegen und jenem beide vorhandene Girokonten unterzuordnen. Auch recht gut gelöst ist die Verwaltung von Wertpapierpots. Zwar ist die Anlage eines solchen Depots und die Aufnahme einzelner Wertpapiere mit etwas Arbeit verbunden, hier könnte die Bedienung noch deutlich verbessert werden, dafür kann aber ein Abgleich der Wertpapierkurse via Netz eingerichtet werden, zum Beispiel via Yahoo!Finanzen. Danach genügt ein Knopfdruck und die Kurse der eingerichteten Wertpapiere werden aktualisiert.
Bleibt also festzuhalten, dass man mit GnuCash zwar arbeiten kann, die Software einem aber an vielen Stellen Steine in den Weg beziehungsweise auch öfters vor einige knifflige Aufgaben stellt. Es bedarf noch einiger Arbeit, um das Programm einfacher und für den Benutzer durchschaubarer zu machen, was im Endeffekt auch das Vertrauen des Benutzers in das Programm stärken würde, weil man wüsste, dass das Programm die Eingaben richtig umsetzt. Ein erster Schritt die Bedienung zu vereinfachen wäre eine Überarbeitung des Benutzerhandbuches, das an vielen Stellen keine große Hilfe ist. Learning by doing ist schön und gut, in der Buchhaltung aber nicht unbedingt der ideale Weg!
Über die Arbeit mit GnuCash hinaus wuchs mein Interesse an anderen Buchhaltsungsprogrammen. Ich habe über einige gelesen und ein paar auf dem Mac ausprobiert, eh ich schließlich auf HaBu aufmerksam wurde. Das Interessante an HaBu ist, dass sowohl eine Version für Mac, Mac-HaBu, wie auch eine Version für Windows-Rechner, dementsprechend Win-HaBu, angeboten wird (Linux wird auf der Internetseite auch schon angesprochen, aber noch nicht angeboten). Realbasic macht es möglich. Dank einer sehr anwenderfreundlichen Registrierungsregelung ist die Installation und Benutzung des Programms auf mehreren Rechnern erlaubt, sofern gewährleistet ist, dass eine gleichzeitige Benutzung verschiedener Personen ausgeschlossen ist, kann die Arbeit mit HaBu unabhängig vom gerade eingesetzten Betriebssystem erfolgen. Die Daten sind, so ist zu lesen, zwischen der Windows- und Mac-Version austauschbar. Soweit ist mir das Programm also schon sehr sympathisch, da ich mich nicht gerne auf ein Betriebssystem festlege. Auch die Geschichte des Programmes und seine Weiterentwicklung in Reaktion auf die Anwender scheint mir sehr vorteilhaft. Zwar ist das Ganze nicht kostenlos wie GnuCash, aber die Preise sind wirklich äußerst fair gehalten. Bei 30 Euro für die normale Version kann man wirklich nichts sagen.
Bisweilen habe ich HaBu nur angetestet, doch bereits dies hat bei mir einen guten Eindruck hinterlassen. Gerade gesplittete Buchungen sind weitaus einfacher anzulegen, als bei GnuCash. Auch sonst ist HaBu recht komfortabel in der Bedienung, so werden zum Beispiel auch hier Buchungstexte erneut angeboten beziehungsweise es lassen sich auch Buchungstexte vorbelegen. Die Auswertung der finanziellen Situation ist umfangreich und übersichtlich, sowohl grafisch als auch in tabellenform möglich. Bei Kontenübersichten, im Journal etc. kann per Knopfdruck der gewünschte Beobachtungszeitraum eingestellt und so gezielt Kontobewegungen o.ä. nachverfolgt werden. Sofern die eigene Online-Bank von den Kontenverwaltungsprogammen MacGiro und Bank X unterstützt wird, entsprechende Infos sind auf den Seiten der beiden Programme zu finden, kann HaBu auch mit den beiden Programmen eingesetzt und abgestimmt werden. Eine entsprechenden Schnittstelle ist vorhanden. Zum Schluss möchte ich noch auf das umfangreiche beiligende Handbuch im PDF-Format hinweisen, das neben Informationen zur Buchhaltung allgemein auch sehr gut die Funktionen des Programmes erklärt. Auch wenn ich HaBu (Mac-HaBu, um genau zu sein) bislang nur angetestet hat, glaube ich, ich werde es mir die 30 Euro für die normal-Version kosten lassen. Das Programm hat Hand und Fuss, ist durchdacht in der Bedienung, wird benutzt und weiterentwickelt von Leuten, die sich in ihrem Fach auskennen. Das gibt Vertrauen. Und wie wir wissen, ist Vertrauen der Anfang von allem.