Angeregt durch den ct-Artikel »Weltenfenster – Browserspiele werden erwachsen« (ct 2006, Heft 10, S. 110) habe ich mir die Tage mal die Wirtschaftssimulation Kapiland angesehen und mittlerweile ein kleines Unternehmen aufgebaut (Yota, Status Einzelhändler). Kapiland ist durchaus ein abwechslungsreiches Spiel. Grunsätzliches Ziel des Spieles ist es, wie meistens, Geld zu scheffeln und Reichtümer anzuhäufen. Erreicht wird dies durch kleveren Warenan- und anschließenden Verkauf, bzw. man kann natürlich auch selbst als Produzent auftreten. Hierfür lassen sich diverse Gebäude wie z.B. Plantagen, Quellen, Fabriken bauen. Der Absatz der Waren erfolgt dann entweder auf dem Markt, durch einen Direktvertrag an eine andere Firma oder in eigenen Geschäften. Für Tiefe im Spiel sorgen nicht nur drei verschiedene Gebiete, sondern auch die große Anzahl unterschiedlicher zu produzierender Produkte.
Mich hat das Spiel sofort gefesselt. Doch der Start war nicht einfach und ein bisschen Leergeld musste ich auch schon zahlen. Dazu noch ein paar Gedanken:
Will man auf dem Markt ein Schnäppchen machen, dann zieht nur eines: Schnelligkeit. Der Markt wird von x Spielern ständig überwacht, Schnäppchen sofort entdeckt und wer zuerst kommt, malt zuerst. Dabei ist es zu Beginn schwierig Schnäppchen zu erwerben, wenn aufgrund der geringen Kapitaldecke nur eine Teilmenge abgenommen werden kann. Durch die Zeit, die durch Eingabe einer Menge verlorengeht, hat man in der Regel eben genau das, verloren. Selbst wenn das Bargeld reicht, sind immer noch zwei Klicks und zwei punktgenaue Bewegungen des Mauszeigers nötig. Die erste Bewegung des Mauszeigers geht vom Knopf Markt, refreshen über Markt geht meiner Erfahrung nach in der Regel schneller als durch refreshen der Seite, auf den Link kaufen. Eine neue Seite öffnet sich, auf der die Fakten des Kaufs noch einmal aufgeführt werden, jene gilt es noch zu bestätigen, hierfür ist dann die zweite Mausbewegung nötig. Verpasst man einen der Links, ist es meist schon zu spät, ein anderer war schneller! Wo wir schon beim nächsten Punkt wären, dem Einfluss der Tageszeit.
Ich spiele zwar erst seit gestern Abend, aber man merkt schon, dass tagsüber deutlich mehr Leute aktiv sind, als zum Beispiel zu später Stunde. An Schnäppchen zu kommen ist somit tagsüber noch deutlich schwieriger. Abends klappt es ganz gut. Wie beäugt der Markt ist, ob überhaupt noch einer aktiv ist und aufpasst, lässt sich leicht durch den Verkauf von beispielsweise ein Saatgut zu 0,01 testen. Normalerweise geht so ein Angebot, obwohl es “Pfennigbeträge” sind und eigentlich das Klicken nicht wert ist, sofort weg. Nachts dauert es schon mal ein, zwei Aktualisierungen. Somit ist es abends einfacher zum Zuge zu kommen bei bewusst in den Markt gestellten Schnäppchen und natürlich bei durch Tippfehler abgegebenen ungewollten “Schnäppchen”. Die können dann zum Beispiel so aussehen, dass jemand Stahl zu 131 verkaufen wollte, jedoch beim Tippen die eins nicht richtig erwischt hat und somit das Angebot nun auf 31 lautet. Bei Preisen im Markt um die 130-135 eine einträgliche Sache für denjenigen, der am schnellsten war und zugeschlagen hat.
Doch im Markt ist auch Obacht geboten. Einige Anbieter bauen auf die Schnelligkeit des Marktes und einen ebenso schnellen Finger der Marktbeobachter. Das fällt oft auf die Schnelle gar nicht auf, dass eine Null zu wenig im Preis ist. Schwupps hat Strom statt für schnäppchenhafte 0,06 zu 0,6 den Besitzer gewechselt. Sieht ja beim flotten Hinschauen auch fast gleich aus. Die Sache funktioniert im Übrigen erstaunlich gut.
Nachdem ich selbst drauf reingefallen bin, habe ich es dem Markt zurückgegeben. Dauerhaft reich wird man dadurch aber sicherlich nicht.
Das wird man auch sonst über den Markt kaum. Die wirklichen Schnäppchen sind, wie angesprochen, rar und die restlichen Angebote eignen sich in ganz seltenen Fällen für den Weiterverkauf. Als Zwischenhändler im Markt aufzutreten ist also äußerst schwierig, schließlich ist für jeden Verkauf über den Markt noch eine Verkaufsprovision fällig. Über kurz oder lang kann also die Lösung nur die Produktion eigener Waren sein.
Ich hatte gestern das Glück einen Abnehmer für Strom zu 0,08 zu finden. Eingekauft im Markt zu 0,07 habe ich den Strom direkt an den Abnehmer per Vertrag zu 0,08 weitergereicht, dies zigmal hintereinander und den Gewinnn habe ich jedesmal in den Zukauf von noch mehr Strom investiert. Das Ganze bescherte mir die ersten größeren Gewinne.
Doch Vorsicht! Nicht zuviel Aufkaufen, wenn etwas günstig ist! Als der Strom-Abnehmer gestern bedient war, saß ich noch auf einem großen Batzen Strom. Damit war ich kurze Zeit handlungsunfähig, da fast mein komplettes Kapital gebunden war. Auf neue Angebote konnte ich nur mit geringen Einsätzen reagieren, bis ich den Strom schließlich mühsam über den Markt verkaufen konnte.
Im Moment verläuft mein Handeln in Kapiland ruhiger. Bin in die Produktion von Strom, Obst und Stahl eingestiegen und habe meine Werke schon ein wenig ausgebaut. Durch Eingabe einer Produktionsmenge, die der Tagesproduktion entspricht, braucht man sich also die nächsten 24 Stunden nicht mehr drum zu kümmern. Voraussetzung ist natürlich, dass man das nötige Kleingeld für die benötigten Zwischenprodukte hat.
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![[Bild: Erster Test]](http://www.haitech-blog.de/images/uploads/Erster-Test-20010813-001.jpg)